Das Testament in Spanien nach spanischem Recht

In Spanien existieren grundsätzlich zwei Arten vonTestamenten, was ist nun der Unterschied zwischen einem „testamento abierto““ und einem „testamento cerrado“?

Ein „testamento abierto (= „offenes“ Testament)“ liegt vor, wenn der Testator gegenüber einem Notar seinen letzten Willen mündlich erklärt und hierüber eine Niederschrift angefertigt wird. Diese wird dem Testator nochmals vorgelesen und von ihm genehmigt. Notar und Testator haben dann die Urkunde zu unterschreiben, Art. 695 Código Civil (Spanisches Bürgerliches Gesetzbuch). Der Notar muss zu diesem Amt ausdrücklich befugt sein. Zudem hat sich der Notar von der Identität wie auch der Testierfähigkeit des Testators zu überzeugen und dies in der Urkunde zu beglaubigen (Art. 696 Código Civil). Die Zuziehung von Zeugen ist inzwischen nicht mehr obligatorisch. Dies ist nur noch in besonderen Ausnahmesituationen der Fall, die in Art. 697 Código Civil geregelt sind.
Ein Testament dieser Art hat den Vorteil, dass der Notar darauf achtet, dass das Testament nicht fehlerhaft, unvollständig oder missverständlich aufgesetzt wird und dadurch Raum für unterschiedliche Auslegungen zulässt.

Bei einem „testamento cerrado (= „geschlossenes“ Testament (Art. 680 Código Civil)) hingegen beschränkt sich die Mitwirkung des Notars darauf, dass er beurkundet, ihm sei vom Testator eine Schrift mit der Erklärung übergeben worden, es handle sich um seinen letzten Willen. Dabei nimmt der Notar keinen Einfluss auf Inhalt und Gestaltung des Testaments. Diese gestaltet der Testator allein, ohne jegliche Mitwirkung des Notars. Das vom Erblasser verfasste Testament wird dem beurkundenden Notar übergeben, wobei der Testator es vorher oder vor dem Notar in einen Umschlag zu geben und diesen zu verschließen und zu versiegeln hat (Art. 707 Código Civil). Allerdings genügt diese Vorgehensweise nicht, um die Wirkung einer öffentlichen Testamentsprotokollierung zu erhalten. Damit dieses Testament Wirkung entfalten kann, hat der Notar nach dem Tode des Erblassers die Vorlage des Testaments an das Nachlassgericht, die Protokollierung sowie die Eröffnung zu veranlassen.

Im deutschen Recht sind diese beiden Möglichkeiten der Testamentserrichtung ebenfalls zu finden. Beide Arten stellen nach deutschem Recht ein öffentliches Testament nach § 2232 BGB dar. Der Testator kann sich auch hier dafür entscheiden, die Schrift, die seinen letzten Willen enthält, verschlossen zu übergeben. Diese Vorgehensweise bürgt jedoch genauso wie die Errichtung eines „testamento cerrado“ in Spanien, die Gefahr, dass das Testament schwerwiegende Mängel aufweist, die zur Unwirksamkeit des Testaments führen oder erhebliche Auslegungsprobleme aufwerfen.
WICHTIG: DIE KOSTEN DER ERRICHTUNG EINES NOTARIELLEN TESTAMENTS SIND IN SPANIEN SEHR NIEDRIG!

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Ihr Ansprechpartner: Philipp G. Beyer, Rechtsanwalt und Abogado

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